Granatspitzgruppe

Seewand (2443 m)

Seewand
Aufstieg 4:15 h Abstieg 3:00 h
E
963 Höhenmeter
Tourbeschreibung Druckversion
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Karte

Enzinger Boden (1480 m) – Berghotel Rudolfshütte (2315 m) – Einstieg Kristall-Klettersteig (2270 m) – Seewand (2443 m) – Berghotel Rudolfshütte (2315 m) – Enzinger Boden (1480 m, via Tauernmoossee)

Charakter: Extrem schwieriger, ausgesetzter Klettersteig (E) mit Überhängen an der Seewand über dem Weißsee. Absolute Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und ordentlich Armschmalz erforderlich.

Besondere Ausrüstung: Steinschlaghelm und Klettersteigausrüstung. Für die Benutzung der beiden Notausstiege sind ein Absteilachter und eine Reepschnur für eine Verwendung als Kurzprusik notwendig.

Anfahrt: Autobahn München - Salzburg, beim Dreieck Rosenheim Richtung Innsbruck bis zur Ausfahrt Kufstein Süd (mautfrei) und weiter über die Eiberg Bundesstraße Richtung St. Johann fahren. In St. Johann weiter auf der Bundesstraße Richtung Kitzbühel und Mittersill, in Mittersill ostwärts Richtung Zell am See, nach 6 km kommt in Uttendorf der Wegweiser zum Weißseegletscher/Enzinger Boden. Am Ende der Bergstraße bei der Talstation parken.

Mit der Seilbahn : Mit Benutzung der Weißseeseilbahn lässt sich die Nettogehzeit auf insgesamt 2 ¾ Stunden verkürzen (Berg- und Talfahrt 20 Euro, Stand 2011).
 
Karte: Kompasskarte 39 - Glocknergruppe (1:50 000)

Auch wenn der Kristall-Klettersteig nicht viele Höhenmeter aufzuweisen hat, so ist er aufgrund seiner sehr steilen Wände und der Überhänge auf keinen Fall zu unterschätzen. Die Wand liegt malerisch über dem kristallklaren Wasser des Weißsees inmitten der Bergwelt der Hohen Tauern und der Granatspitzgruppe, somit liefert diese Klettersteigtour neben einem tollen Klettererlebnis auch unvergessliche landschaftliche Eindrücke.

Aufstieg: An der Talstation der Weißseegletscherbahn beginnt der Anstieg über eine breite Forststraße in Richtung Berghotel Rudolfshütte. Quasi unmittelbar mit dem Schnüren der Schuhsenkel werden wir ordentlich auf Trab gebracht, ohne Aufwärmen geht es steil nach oben und es empfiehlt sich, nicht zu schnell zu starten. Sobald die Forststraße flach wird, freuen wir uns darüber, dass die Tour ab jetzt absolut ein Augengenuss wird. Flach geht es entlang des Grünsees zur Mittelstation (1780 m), welche wir an der linken Seite passieren. Weiter marschieren wir über einen schönen Wanderweg mit geringer Steigung und permanentem Blick auf die in Schnee gehüllten 3000er.

Für Abwechslung sorgen die ausgelegten Holzbretter, flachen Steinplatten und der normale Wanderweg bis uns die Fährte stärker ansteigend über Felsbrocken in Richtung Schotterbachboden (1975m) bringt. Hier folgen wir weiter dem Weg 715 in Richtung der Gletscher-Seilbahn. Nach einem weiteren flachen Stück über den bestens befestigten Wanderpfad nimmt das Gelände wieder an Steigung zu und wir setzen zum finalen, sich hinziehenden Aufstieg zur Rudolfshütte an. Dort angekommen genießen wir erstmal das sich bietende Panorama, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees erkennen wir auch bereits den Fels, der den Kristall-Klettersteig für uns bereithält. Nach kurzer Rast geht es via Oststaumauer (Talstation Medelzkopf-Sessellift) immer dem See entlang zum Einstieg des Klettersteigs.

Nach ca. halbstündigem Fußmarsch werden wir langsam unruhig. Wo geht es denn nun hin zur Wand? Die Beschilderung habe ich bei keinem meiner zwei Besuche am Kristallklettersteig gefunden, jedoch ist die Wand an sich mehr als gut sichtbar und sobald wir rechts des Weges vermehrt Steinmännchen sehen, wissen wir, dass wir richtig sind und folgen diesen in Richtung Einstiegswand. Hier bekomme ich das erste Mal einen Eindruck, warum der Kristallsteig so heißt – es finden sich wunderschöne Mineralien am Weg, von denen sich insbesondere in den Steigpassagen weitere finden werden. Die Einseilbrücke über dem Bach habe ich nicht mehr vorgefunden, unbeirrt davon aber überqueren wir das Gewässer um uns wenige Schritte später unmittelbar beim Einstieg unsere Klettersteigausrüstung anzulegen.

Beeindruckt von der Seilfährte direkt über dem Wasser starten wir los und erkennen schnell, dass die Sache hier kraftraubend wird. Ohne an Höhe zu gewinnen queren wir über C und D Passagen den Fels direkt über dem kristallklaren, türkisfarbenem Wasser und haben hier bereits zwei schwierige Ecken zu meistern. Im Anschluss an die Querung geht es eine steile Wand empor (C/D). Diese ist sehr wohl mit Trittstiften versehen, ein Überangebot wie von anderen Steigen ist hier aber nicht zu beklagen. Am ersten Rastplatz mit Ausstiegsmöglichkeit angekommen genießen wir den herrlichen Ausblick über den Weißsee auf das Gipfelpanorama und prüfen, ob noch genügend Restkraft für die nächsten zwei Drittel des Steiges vorhanden ist – diese sollten wir noch nötig haben.

Der nächste Abschnitt beginnt mit einer entspannten, querführenden A/B-Passage bevor wir nach ansteigenden C, B/C und C/D-Wand-Passage zur langen Querung kommen. An deren Ende befindet sich ein Seil für den zweiten Notausstieg – ein Abseilen konnte ich persönlich mir an dieser Stelle jedoch nicht vorstellen… abgesehen wäre dies schon am nicht mitgeführten Abseilachter gescheitert. Im Anschluss geht es rauf über einen sehr steilen Pfeiler und nach einer kurzen Querung erblicken wir auch schon die Schlüsselstelle. Hier ist wiederum ein Seil für den dritten Notausstieg bereit, jedoch ziehe ich trotz der vor mir liegenden, beeindruckenden Leiterpassage diese vor. Erst heißt es noch mal Kräfte zusammeln bevor wir die Leiter empor klettern und in atemberaubendem Gelände den Überhang von der ersten zur zweiten Leiter meistern.

Sämtliche Muskeln, auch jene die bisher nicht bekannt waren, schreien auf und wir stellen mit Schrecken fest, dass die hinter dem Vorsprung wartende Leiter ebenfalls im Überhang ist. Langsam, sehr langsam mit viel Pausen führt der Weg nach oben. Auch die nachfolgende Wandstelle hat es nochmals in sich, bevor wir entkräftet den Ausstieg erreichen.

Abstieg: Nach Genuss des herrlichen Ausblicks über den Weißsee in Richtung Rudolfshütte sowie die Berggipfel der Tauern und der Granatspitzgruppe geht der Weg entlang der Steinmännchen zum Normalweg des Weißsee-Rundwegs. Diesem folgen wir in Richtung der Staumauer zur Rudolfshütte über Platten, Stock und Stein sowie am Ende der ein oder anderen kleinen Leiter.

Die entspannte, gelenkschonende Art ist die Gondelfahrt zurück zum Parkplatz – jedoch ist bei genügend Restkondition der Weg über den Tauernmoos-Stausee durchaus zu empfehlen. Auf der Südseite der Rudolfshütte entdecken wir auch schon das Schild, welches uns ostwärts startend den Weg Richtung Enzinger Boden weist. Nach einem kurzen Anstieg führt uns ein schöner Wanderweg weit oberhalb des Tauernmoss-Stausees immer näher an selbigen heran. Die Route führt uns immer wieder kleine Gegenanstiege hinauf und erweist sich im Abstieg mehrmals als anspruchsvoll mit Seilversicherungen.

Kaum sind wir am See direkt angekommen, führt uns der Wegweiser nach links (Westen) zum Enzinger Boden. Wir folgen diesem und erreichen relativ rasch den Schotterbachboden auf 1975 Metern - richtig, an dieser Stelle standen wir bereits im Anstieg auch schon mal. Nun führt uns der bereits bekannte Weg in Kürze zur Mittelstation und in Folge weiter über die sehr steile Forststraße zurück zum Parkplatz.

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit:
Berghotel Rudolfshütte (2315 m), privat, Tel.: +43 (0)6563 8221-0, geöffnet von Mitte Juni bis Anfang Oktober und Weihnachten bis Ende April

  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
1480 m - 1780 m + 0:45 0:45 Mittelstation Weißsee Gletscherbahn
1780 m - 2315 m + 1:30 2:15 Rudolfshütte
2315 m - 2270 m + 0:30 2:45 Einstieg Klettersteig
2270 m - 2443 m + 1:30 4:15 Seewand (Ende Klettersteig)
2443 m - 2315 m + 0:45 5:00 Rudolfshütte
2315 m - 1480 m + 2:15 7:15 Talstation via Tauernmoossee

Matthias Hauser