Schweiz Berner Alpen

Daubenhorn (2941 m)

Charakter D
Tourdaten:
Aufstieg Aufstieg:  6:30 Stunden
Abstieg Abstieg:  2:45 Stunden
Höhenmeter 1530 Höhenmeter

Leukerbad Ort (1411 m) - Untere Schmitte (2030 m) - Obere Gemsfreiheit (2303 m) - Daubenhorn (2941 m)

Charakter: Sehr schwierige Klettersteigtour (D), teilweise sehr ausgesetzt, hohe Konditionsanforderung aufgrund sehr langer Steigpassage mit direkter Sonnen-Exponiertheit, Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit erforderlich. Es empfiehlt sich vorab zu informieren, ob der Steig aufgrund der Wetter- und Schneebedingungen geöffnet ist (i. d. R. Juli bis Oktober). Die Gemmibahn fährt von 8 – 12 bzw. von 13 – 18 Uhr (einfache Fahrt SFR 19, hin und retour SFR 28)

Besondere Ausrüstung: Steinschlaghelm, Klettersteigausrüstung

Anfahrt: Autobahn München - Lindau bis nach Bregenz, weiter durch Bregenz Richtung St. Gallen, über St. Gallen, Zürich und Bern zum Genfer See, hier weiter Richtung Montreux/Martigny, bei Martingny Richtung Sion und über Sion, Sierre und Leuk nach Leukerbad.

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Nicht selten ist zu lesen, dass es sich beim Daubenhorn um den längsten und schwierigsten Klettersteig der Schweiz handelt. Unbestritten aber ist das Daubenhorn eine mit genialster Routenführung versehene Klettersteigtour, welche lange in Erinnerung bleibt. Der Anstieg zum Steig bringt einen durchaus auf Touren, der erste Klettersteig-Abschnitt wartet bereits mit tollen Passagen auf. Wer nun die Möglichkeit des Ausstieges ausschlägt, wird auf dem Weg zum Gipfel mit weiterer spektakulärer und steiler Routenführung, einigen Leitern und mit dem ein oder anderen Schmankerl belohnt.

Aufstieg: Vor dem massiven Antlitz der Felswände und ohne Blick zum Gipfel des Daubenhorns zu haben marschieren wir los in Richtung Wald. An der Stelle sei bereits angemerkt, dass sich sehr frühes Losgehen (6 – 6.30 Uhr) durchaus lohnt, da ab 8 Uhr die Gemmi-Bahn fährt und viele Bergkollegen/Innen diese Variante mit Abstieg in Richtung Klettersteig-Einstieg wählen. Wir sind also früh dran und laufen auf einem schönen Wanderweg durch den Wald, der sehr schnell an Neigung gewinnt und wir uns schließlich in steilen Serpentinen nach oben bewegen.

Nach ca. einer Stunde befinden wir uns bereits an der Unteren Schmitte (2030 m) und biegen nach links in Richtung Klettersteig ab. Zwei Gehminuten später kann man dann schon mal getrost das Klettersteigset anziehen, die ersten seilgesicherten Passagen liegen vor uns – und: unsere Rechnung ging voll auf, wir können keine Leute vor uns im Steig entdecken! Zunächst geht es an Quergängen ohne größere Anforderungen (A/B) abwechselnd frei gehend oder am Seil einen Quergang der Wand entlang. Nach ca. 20 Minuten geht es nun aber los und wir düsen schon um die Nase rum weiter zum Freddy Turm.

Wir sind nun seit ca. 1 3/4 Stunden unterwegs und jetzt wird es erstmals richtig lustig beim Freddy Turm, wobei die Passage wie auch der Steig insgesamt in perfekter Manier gesichert sind. Wenig später erreichen wir die erste Leiter. Weitere 20-30 Minuten später kommen wir zur nächsten Leiter, bei deren Aufstieg wir an einer großen Schweiz-Fahne inmitten des Bergmassivs vorbeikommen – ach ja, da war doch am Morgen schon was… die hatten wir schon mal gesehen. Ein schönes Beispiel für den Schweizer Stolz auf ihr Land.

Nach erfolgter Leiter-Bewältigung sind wir auf einer schönen grünen Wiese (Obere Gemsfreiheit) angekommen, wo wir nach nunmehr gut drei Stunden Aufstieg unser zweites Frühstück einnehmen. Angesichts der vor uns sich aufbauenden, nicht endend wollender senkrechten Wand wählt einer unserer Gruppe den einzig möglichen Ausstieg und kehrt ins Tal zurück. Es sei angemerkt, dass dies bei Problemen im ersten Abschnitt des Klettersteiges auf alle Fälle zu überlegen ist. Der Steig ist noch sehr lange, die Sonne brennt gnadenlos in die Wand und der Schwierigkeitsgrad wird sicherlich nicht geringer!

Von der Abzweigung aus geht es gleich ordentlich die Wand nach oben hoch (C). Die Route ist wie gehabt sehr gut mit Seilsicherung und Trittstiften versehen. Über eine weitere Leiter erreichen wir eine kurze Gehpassage, bevor es wieder munter dem Fels empor geht. Nach ca. einer Stunde „harter Arbeit“, die sehr viel Spaß macht, kommen wir in die Höhle – dies ist insbesondere auch aufgrund der permanenten Sonnen-Aussetzung im Fels eine sehr wohltuende Abwechslung – insbesondere können die ca. 100 HM in der Höhle noch mit einer reizvollen Variante durchklettert werden.

Die Variante mit der Schwebebrücke und den Trittstiften im senkrechten Fels können aber auch „unterwandert“ werden. Nach einer weiteren leicht überhängenden Stelle geht es durchaus knackig weiter nach oben. Der Steig ist gespikt mit weiteren Leitern, der Erholung dienliche Gehpassagen sind – wenn auch vorhanden – dünn gesät. Kurz vor dem Gipfel erreichen wir aber doch noch eine geruhsamere Passage, bevor uns nach kurzer Steigpassage die letzte Leiter mit teils leichtem Überhang die letzte Kraft aus den Armen holt – bevor wir mit der Ankunft auf diesem herrlichen Berg belohnt werden!

Abstieg: Nach dem doch anstrengenden Aufstieg ist es kein Nachteil, dass der Abstieg sehr gemütlich und ohne Schwierigkeitsgrad erfolgt. Vom Gipfelkreuz aus folgen wir auf der Rückseite des Daubenhorns dem einzig verlaufenden Weg, welcher auch mit einer blau-weißen Markierung gekennzeichnet ist. Es geht über Schnee- und Eisfelder des angeblich spaltenfreien Daubenhorn-Gletschers – aufgrund der minimalen Neigung ist nach meinem Ermessen bei normalen Verhältnissen keine separate Ausrüstung wie Steigeisen o.ä. von Nöten – Richtung Lämmerboden.

Zum Ende der Schnee- und Eisfelder bestreiten wir einen serpentinenhafter Weg mit bestem Blick zum Wildstrubel-Gletscher zu bestreiten, welcher auch den Großteil des Höhenunterschiedes zwischen dem Gipfel und der Bahn ausmacht. Am Lämmerboden angekommen führt uns der weitläufige und flache Wanderweg in Richtung Bergstation der Gemmibahn. Auf dem Weg werden wir teils von tosendem Geräusch begleitet, welcher auf die mächtigen Wasserbewegungen unterhalb der Eisdecke der Gletscherzungen zurückzuführen ist.

Natürlich kann man auch den Wanderweg zurück nach Leukerbad Ort nehmen, wobei wir hier zum einen auf den Morgens bestrittenen, steilen Aufstiegsweg kämen (2030 m, Untere Schmitte) und insgesamt 700 Höhenmeter zu laufen hätten… Hierfür waren wir dann doch zu faul, wollten unsere Knie schonen und zum Anderen: für uns gab es nach diesen herrlichen Klettersteigimpressionen nichts mehr, was unsere Eindrücke ergänzen hätte können… insofern wollten wir nur noch runter ins Tal und von einem Gastgarten aus den herrlichen Blick auf die durchschrittene Südostwand des Daubenhorns genießen.

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit:
Berghotel Wildstrubel (2346 m, Bergstation Gemmi-Bahn), privat, Tel. +41 (0)27/4701201

  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
1411 m - 2050 m + 1:30 1:30 Untere Schmitte
2050 m - 2303 m + 1:45 3:15 Obere Gemsfreiheit (Ausstiegsmöglichkeit)
2303 m - 2941 m + 3:15 6:30 Daubenhorn
2941 m - 2346 m + 1:15 7:45 Bergstation Gemmibahn
2346 m - 1411 m + 1:30 9:15 Leukerbad

Autor: Matthias Hauser
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