Grajische Alpen

Gran Paradiso (4061 m)

Gran Paradiso
Aufstieg 6:30 h Abstieg 4:45 h
2
2100 Höhenmeter
Tourbeschreibung Druckversion
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Karte

Pont, Valsaveranche (1960 m) - Rifugio Vittorio Emanuele II. (2735 m) - Gran Paradiso (4061 m)

Charakter: Einfache Hochtour über Gletscher (F+) mit ausgesetzter Blockkletterei (I) und kurzer sehr ausgesetzter Querung (zwei Bohrhaken vorhanden) am Gipfelgrat. Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit sind notwendig. Höchster Berg der Grajischen Alpen und zugleich höchster Berg, der mit seinem Fundament komplett auf italienischem Gebiet steht.

Besondere Ausrüstung: Komplette Gletscherausrüstung

Anfahrt: Autobahn München - Lindau bis nach Bregenz, weiter durch Bregenz Richtung St. Gallen, über St. Gallen, Zürich und Bern zum Genfer See, hier weiter Richtung Montreux/Martigny, später immer Richtung Grand Saint Bernard (ausgeschildert), über die Passstrasse und den Saint Bernard-Tunnel (Maut für Hin- und Rückfahrt: 31,50 Euro) nach Aosta, von Aosta Richtung Courmayeur/Mont Blanc halten, nach St. Pierre bei Villeneuve links ins Valsaveranche einbiegen, immer der Ausschilderung Valsaveranche folgen und am Ende der Straße in Pont das Auto abstellen (großer Parkplatz)

Karte: Kompasskarte 86 - Gran Paradiso, Valle d'Aosta (1:50 000)

Der Gran Paradiso gilt als ein relativ leicht zu besteigender 4000er und erhält daher viel Besuch. Die Schwierigkeiten des Aufstiegs sind dabei weniger in der Bewältigung des Gran Paradiso-Gletschers zu suchen. Neben einem Höhenunterschied von gut 1300 Metern, den es am Gipfeltag zu überwinden gilt, führen am luftigen Gipfelgrat vorallem das Gedränge und die sich verheddernden Seilschaften zu interessanten Konstellationen. Hier heißt es einen kühlen Kopf zu bewahren, um nicht ungewollt in heikle Situationen zu geraten. Wer am Rifugio Vittorio Emanuele II. nächtigt sollte sich unbedingt vorher telefonisch um einen Schlafplatz bemühen, da die Hütte zur Saison oft überfüllt ist.

Hüttenzustieg: Am Parkplatz in Pont wandern wir an der großen Übersichtstafel vorbei und überqueren über eine Holzbrücke den Fluss. Am Ende der Brücke wenden wir uns rechts und folgen dem Flusslauf ohne Höhengewinn in den nächsten 20 Minuten, bis wir ein kleines Gebäude erreichen. Hier folgen wir der Ausschilderung "Rifugio Vittorio Emanuele" und gewinnen über einen komfortablen Weg, der sich in Serpentinen durch lichten Bergwald schlängelt, zügig die ersten Höhenmeter.

Nach und nach zieht sich der Bergwald immer mehr zurück und wir üblicken das Valsaveranche mit seinem rauschenden Bach. Nach etwa einer Stunde passieren wir einen Wasserfall. Über grüne Hänge schraubt sich der Weg immer weiter in die Höhe und schon bald erkennen wir die vergletscherte Ciarforon und die markante Pyramide der Becca di Monchiair. Kurz vor der Hütte überqueren mir noch ein kurzes Trümmerfeld und erreichen nach 2:15 Stunden den futuristisch wirkenden Bau des Rifugio Vittorio Emanuele II.

Gipfelaufstieg: Hinterhalb der Hütte reicht ein gerölliger Hang von der Becca di Montcorve herunter. Wir steuern dabei das linke Ende des Hangs an und folgen den Wegspuren und Steinmännchen durch das Blockgewirr. Über Blöcke und Schutt geht es nun bergauf und wir erreichen ein Tal, dessen Verlauf wir nun weiter folgen. Über Geröll, Schotter und Firn steuern wir direkt auf den Ausläufer des Gran Paradiso-Gletschers zu. Kurz nach Betreten des Gletschers wenden wir uns nach rechts und meistern einen ersten steileren Hang. Über ein flacheres Stück gelangen wir linkshaltend zu einem größeren Hang, den wir in mehreren Serpentinen emporsteigen. Hier können wir auch erstmals einen unverstellten Blick auf das Mont Blanc-Massiv werfen.

Nach Überwinden des steileren Hangs erreichen wir einen Rücken, der sich nun in eher mäßiger Steigung über den Sattel der Schiena d'Asino weiter zum Becco di Moncorvé emporzieht. Linker Hand erkennen wir bereits den Gipfel des Gran Paradiso mit seiner Gipfelstatue. Wir lassen den unterhalb Gipfels gelegenen Gletscherabbruch links liegen und folgen dem Rücken bis unterhalb der Felstürmchen des Becco di Moncorvé. Hier wenden wir uns nach links und steigen zuerst steil und später wieder etwas flacher werdend dem Gipfelgrat entgegen. Unterhalb des Gipfelaufbaus muss später im Jahr eventuell eine Randspalte überwunden werden.

In der Scharte rechts der Felsen wechseln wir vom Firn auf die Blöcke des Gipfelgrats. In leichter Kletterei geht nun teils luftig über die glatten, großen und nur schwer zu greifenden Blöcke über den Grat. Kurz unterhalb der Gipfelmadonna wartet mit einer kurzen aber sehr ausgesetzten Querung über einen schmalen Absatz die Schlüsselstelle. Hier hat man einiges an Luft und gähnende Leere unter seinem Allerwertesten. Zum Sichern und Entschärfen der Stelle sind zwei Bohrhaken vorhanden. Nach der Querung folgt ein letzter Felsabsatz und gut vier Stunden nach Aufbruch vom Rifugio stehen wir bei der großen Gipfelmadonna des Gran Paradiso.

Das unbeschreiblich schöne und schier unendliche Panorama reicht vom Monte Rosa über die Walliser Alpen mit Dent Blanche, Matterhorn und Grand Combin über den Mont Blanc, den Barre des Ecrins bis hin zum Monviso.

Hinweis:
Alternativ kann man die Besteigung auch vom Rifugio Chabod beginnen. Der Gletscheranstieg ist allerdings deutlich spaltenreicher. Unterhalb des Becco di Moncorvé trifft der Weg vom Rifugio Chabod auf die Aufstiegsspur vom Rifugio Vittorio Emanuele.

Abstieg:
Entlang der Aufstiegsroute.

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit:
Rifugio Vittorio Emanuele II. (2735 m), CAI Sektion Turin, Tel.: +39 0165 95920, geöffnet von Mitte März bis Mitte September.

  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
1960 m - 2735 m + 2:15 2:15 Rifugio Vittorio Emanuele II.
2735 m - 4061 m + 4:15 6:30 Gran Paradiso
4061 m - 2735 m + 3:00 9:30 Rifugio Vittorio Emanuele II.
2735 m - 1960 m + 1:45 11:15 Pont

Autor: Didi Hackl
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