Wettersteingebirge

Großer Waxenstein (2277 m)

Großer Waxenstein
Aufstieg 5:30 h Abstieg 6:00 h
5
1500 Höhenmeter
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Karte GPS-Track

Hammersbach (770 m) - Stangensteig - Höllentalangerhütte (1381 m) - Großer Waxenstein (2277 m) - Höllentalangerhütte (1381 m) - Höllentalklamm

Charakter: Schwierige Alpinwanderung mit langen, anspruchsvollen Passagen und Kletterstellen bis zum oberen 2. Schwierigkeitsgrad nach UIAA. Ab Höllentalangerhütte sowohl im Auf- als auch Abstieg wegloses, schlecht markiertes und sehr ausgesetztes Gelände. Erhöhte Absturzgefahr. Sehr guter Orientierungssinn, hohe Bergerfahrung, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.

Besondere Ausrüstung: Steinschlaghelm

Anfahrt: Von München kommend die A95 bis zum Autobahn Ende in Eschenlohe fahren und weiter über die B2 Richtung Garmisch fahren. Nach dem Tunnel der Farchant-Umfahrung rechts Richtung Reutte abbiegen. Weiter dem Straßenverlauf der B23 durch Garmisch folgen und nach der Ortschaft links in die Schmölzstraße, später Zugspitzstraße, abbiegen. Nach etwa 1,5 Kilometer links in die Höllentalstraße abbiegen und der Straße bis zum gebührenpflichtigen Wanderparkplatz Hammersbach folgen.

Mit der Bahn: Mit der nach Garmisch und von dort mit der Zugspitzbahn nach Hammersbach (Fahrplan und Buchung). Mit dem Bayern-Ticket fahren bis zu 5 Personen für 25 Euro + 6 Euro je Mitfahrer nach Hammersbach.

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Kompasskarte 5 - Wettersteingebirge, Zugspitzgebiet (1:50 000)

Schon der Zustieg über den Stangensteig oder die Höllentalklamm zu Höllentalangerhütte ist ein Erlebnis. Meist zieht es dann die Bergsteiger weiter über den Klettersteig Richtung Zugspitzgipfel oder über den Rindersteig auf den Osterfelderkopf. Der ungleich anspruchsvollere Große Waxenstein, nördlich der Höllentalangerhütte gelegen , ist eher selten das Ziel der Alpinisten, was ihn in unseren Augen umso attraktiver macht. Für absolut trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger ist der Aufstieg über die steilabfallenden, brösligen Südwände des Waxensteins ein Erlebnis. Auch einen guten Orientierungssinn sollte man mitbringen, da der Pfad sowohl im Aufstieg, als auch im Abstieg nur spärlich markiert und oft nicht besonders, bis gar nicht ausgeprägt ist. Der Gipfel glänzt mit einem herrlichen Ausblick auf den türkisblauen Eibsee, auf das Wettersteinmassiv und weit über das Werdenfelser Land hinaus.

Aufstieg: Im Süden der kleinen Ortschaft Hammersbach starten wir, vorbei an einer kleinen Kapelle, unsere Tour. Auf dem zunächst recht breiten Klammweg kommen wir neben dem Hammersbach gut voran. Etwa 45 Minuten später, kurz vor der Höllental-Eingangshütte, zweigt unterhalb der Felsen nach rechts der Stangensteig ab. Spontan entscheiden wir uns für diese, etwas längere und ein wenig anspruchsvollere Aufstiegsvariante. Zum einen, weil wir die durchaus sehenswerte Höllentalklamm schon beim Aufstieg zum Osterfelderkopf gesehen haben, zum anderen, weil uns ohnehin der Rückweg durch die Klamm führen wird.

Über zahlreiche Serpentinen geht es nun gut 200 Höhenmeter unterhalb des Manndl den Berg hinauf. Anschließend schwenkt der Weg, nahezu eben, nach Süden. Eine Informationstafel der Gemeinde Grainau und dem Verein "Bär und Lilie" weist uns darauf hin, dass der Steig bereits seit 1845 besteht und zum Abtransport von Blei, Erz und Molybdän benutzt wurde. Wir spazieren noch ein wenig durch den Bergwald, bevor uns der Steig bergab führt und wir über eine Brücke die Höllentalklamm überqueren. Tief unter uns plätschert der Hammersbach. Auch der Klammweg ist gut zu erkennen. Hinter der Brücke führt uns der Steig nochmal kurz bergauf, bevor wir, teilweise drahtseilgesichert, zum Hammersbach absteigen. Über Stege erreichen wir den Klammweg auf der gegenüberliegenden Uferseite, dem wir entlang des Hammersbach bis zur Höllentalangerhütte folgen.

Wir nutzen die 2015 neu errichtete Höllentalangerhütte für eine Übernachtung und starten am nächsten Tag noch in der Dämmerung unsere Tour zum Aufstieg auf den Großen Waxenstein. Eine Übernachtung ist hier sinnvoll, weil die Gesamtgehzeit der Tour etwa 11 Stunden beträgt.

Die erste Herausforderung liegt schon darin, den Einstieg zu der nach Süden steil abfallenden Waxensteinwand zu finden. Etwas oberhalb der Höllentalangerhütte werden wir schließlich am Ende einer durch das Schotterfeld verlaufenden Trittspur fündig. Ein recht blasses rotes "W" markiert links von der Wasserversorgung den Beginn des Schafsteigs. Der Steig gewinnt, rechts vorbei an der Quelleneinfassung, schnell an Höhe. Lehmige, nasse und dementsprechend rutschige Passagen wechseln sich mit brösligen, schottrigen und damit steinschlaggefährdeten Abschnitten ab. Für einen erhöhten Herzschlag sorgt nicht nur die Anstrengung des Aufstiegs, auch die Ausgesetztheit des Weges lässt durchaus Spannung aufkommen.

Immer wieder bleiben wir stehen und halten Ausschau nach dem nächsten blassroten Punkt. Da der Schafsteig sich oft kaum vom übrigen Gelände abhebt, gestaltet sich die Orientierung schwierig. Mit zunehmender Höhe wird der Weg ein wenig leichter. Vor einer Felswalze halten wir uns links nach Westen. Anschließend dreht der Weg unterhalb einer in die Felsen eingelassenen Gedenktafel erneut nach Osten. Es folgt eine leichte Kletterstelle, bevor wir, dem Wegweiser "GW" folgend, die nächste Flanke im Westen übersteigen. Wenig später erreichen wir die Aufstiegsrinne, die nach rechts, steil in der Direttissima nach oben führt.

In der Rinne kommen wir gut voran, nach etwa 5 Minuten stoßen wir auf die Schlüsselstelle der Tour, die uns über eine steilabfallende Stufe im Bereich II der UIAA-Skala führt. Wir sind hier auf der rechten Seite der Rinne ein Stück hochgeklettert und haben dann nach links gequert. Noch bevor die auslaufende Rinne den Grat erreicht, halten wir uns, markiert durch wenige kleine Steinmänchen, nach Osten. Im schrofigen Gelände umrunden wir einen Felsaufbau am Grat und halten uns vor dem Gipfelaufbau des Großen Waxenstein links. Wenige Minuten später stehen wir auf dem aussichtreichen Gipfel. Im Süden erhebt sich wie eine unüberwindbare Wand das Wettersteingebirge mit der Alpspitze und der Zugspitze. Im Norden reicht der Blick über den Eibsee und Garmisch-Patenkirchen hinweg tief in das Werdenfelser Land. Im Osten ist schön das Karwendelgebirge zu sehen.


Beschriftetes Panoramafoto, Aussicht vom Große Waxenstein

Abstieg: Der Abstieg erfolgt zunächst wieder auf dem gleichen Weg. Nach der Rinne halten wir uns jedoch rechts und folgen dem Schafsteig weiter nach Westen. Auch hier ist zunächst wieder Orientierungssinn gefragt. Die blassrote Markierung sowie Steinmänchen weisen uns, falls wir sie entdecken, den Weg. Je weiter uns der Schafsteig nach Westen führt, umso leichter wird auch das Gelände. Neben dem tollen Blick hinüber zum Jubiläumsgrat, zieht auch der Gipfel der Zugspitze unsere Blicke wie magisch an.

Nachdem wir schließlich den Weg zur Riffelspitze erreicht haben, biegen wir links ab und steigen nach Süden zum Höllentalanger ab. Wir folgen dem Weg zurück zur Höllentalangerhütte in der wir uns nach all den Strapazen ein erfrischendes Weißbier gönnen. Zusammen mit einer Vielzahl an Tagesausflüglern wandern wir durch die malerische Höllentalklamm wieder zurück nach Hammersbach.


Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten:
  • Höllentalangerhütte (1381 m), DAV München, Tel. +49 (0)8821/8811, geöffnet von Ende Mai bis Oktober

Einkehrmöglichkeiten:
  • Höllentaleingangshütte (1047 m), DAV Garmisch-Partenkirchen, Tel. +49 (0)8821/8895, geöffnet von Mitte Mai bis Mitte Oktober
  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
770 m - 1381 m + 2:30 2:30 Höllentalangerhütte
1381 m - 2277 m + 3:00 5:30 Großer Waxenstein
2277 m - 1381 m + 4:00 9:30 Höllentalangerhütte
1381 m - 770 m + 2:00 11:30 Hammersbach

Autor: Tom Lindner
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