Italien Belluneser Alpen

Ferrata della Memoria (790 m), ein Gedächtnis-Steig zur Vajont-Staumauer bei Longarone

Charakter D
Tourdaten:
Aufstieg Aufstieg:  2:30 Stunden
Abstieg Abstieg:  0:30 Stunden
Höhenmeter 420 Höhenmeter
Strecke 4,0 Kilometer

Parkplatz 6. Kehre SR251 (620 m) - Einstieg Klettersteig (560 m) - Ende Klettersteig (790 m) - Gedenkstätte Diga del Vajont (720 m) - Parkplatz 6. Kehre SR251 (620 m)

Charakter: Klettersteig der Kategorie D. Drahtseil und Trittbügel sind in einem hervorragendem Zustand (Stand 2019). Etwa die Hälfte der Kletterzeit verbringt man in deutlich leichterem Gelände (A/B, stellenweise C). Stirnlampe nicht vergessen, der Zustieg erfolgt durch zwei lange Stollen.

Besondere Ausrüstung: Steinschlaghelm, komplette Klettersteigausrüstung und Stirnlampe

Dauer des Klettersteigs: 2 Stunden

Anfahrt: Von Süden kommend am Ende der Autobahn A27 bei Belluno weiter auf der SS51 Richtung Norden nach Longarone fahren. Dort in einer Linkskurve rechts auf die Via Campelli abbiegen und den Fluss Piave (deutsch: Ploden) nach Osten überqueren. Auf der anderen Talseite an einer T-Kreuzung links halten und der SR251 nach Norden folgen. In der 6. Kehre auf dem Pass Richtung Erto rechts in eine recht unscheinbare Straße abbiegen. Nach wenigen Metern, kurz vor einem Tunnel, befindet sich der Parkplatz für die Klettersteiggeher.

Geo-Koordinaten des Ausgangspunkts:
46.267491, 12.324026 (in Google Maps öffnen)

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Für viele nicht völlig unerwartet stürzten am 9. Oktober 1963 um 22:39 270 Millionen Kubikmeter Geröll von der Nordflanke des Monte Toc in den Vajont Stausee. Die Folge war, dass die bis 1965 höchste Staumauer der Welt von einer riesigen Flutwelle überspült wurde. Ca. 2000 Menschen fanden bei der Katastrophe, vor allem in dem Städtchen Longarone, den Tod. Das sind die traurigen Fakten, die dem Klettersteig Ferrata della Memoria den Namen gaben. Gewaltige Tiefblicke und bestens gesicherte Klettersteigpassagen machen die Ferrata zu einem attraktiven Ziel. Die Gedenkstätte, insbesondere die 481 Fähnchen, beschriftet mit Namen und Alter jedes Kindes das die Nacht nicht überlebte, lassen gewaltige Emotionen zurück. Ferrata Della Memoria - Klettersteig der Erinnerung.

... und folgen diesen bis zum ersten Tunnel.Aufstieg: Im Osten des kleinen Parkplatzes befindet sich rechts vor dem Straßentunnel eine Tafel, die Informationen zum Routenverlauf und den Gehzeiten bereithält. Dahinter führt uns ein Pfad, zunächst bergab, auf den Klettersteig zu. Nach ein paar Minuten erreichen wir einen kleinen Platz, den wir nutzen um die Klettersteigausrüstung anzulegen. Anschließend spazieren wir links nach Osten in einem Bogen weiter auf die Schlucht zu. Nach ein paar Metern in einem Hohlweg stehen wir vor dem kleinen Eingang des ersten Stollens. Wir schalten die Stirnlampen ein uns spazieren 155 m durch den niedrigen Gang. Nicht nur einmal hat sich hier schon bewährt, den Helm vorher aufzusetzen. Nach dem ersten Tunnel haben wir die Möglichkeit ein Stück im Freien zu klettern, der Weg ist hier aber stark verwachsen.

Der Ausblick zurück auf das waagrechte BandWenig später geht es in den zweiten Tunnel. Diesen verlassen wir, deutlich gekennzeichnet, etwa nach der halben Wegstrecke. Durch ein Loch nach rechts setzten wir nun unsere Tour auf einem breiten Band fort. Immer tiefer dringen wir dabei in die Schlucht vor, jedoch ohne dabei nennenswert Höhenmeter gut zu machen. Links von uns setzt sich der Tunnel noch eine Weile fort, wir bleiben jedoch außen am Fels. Rechts reicht der senkrechte Fels hinunter bis zum Bachbett des Vajont. Auf dem breiten Band kommen wir gut voran, nur zwei Stellen sind ein wenig ausgesetzter, können aber gut dank mehrere Drahtbügel überwunden werden. Wir kommen an einer kleinen Glocke und an einem Kreuz vorbei, bis wir schließlich eine Leiter erreichen.

Nach der Leiter geht es noch ein Stück nach rechts (B/C)... Nach der Leiter beginnt der schwierigste Teil des Klettersteigs. Im ausgesetzten Gelände mit einigen D-Kletterstellen zieht sich die Route senkrecht den Berg hinauf. Die vorbildliche Sicherung und die gut platzierten Drahtbügel, die als Tritthilfe dienen, lassen uns aber weiterhin gut vorankommen. Zudem erreichen wir nach ein paar Klettermeter immer wieder Bänder, die ein entspanntes Verschnaufen zulassen. Über eine steile Rinne nach rechts, passieren wir die letzte D-Stelle, danach wird der Steig zunehmend einfacher.

Im ausgesetzten B-Gelände queren wir ein paar Meter nach WestenSenkrechte Genusskletterei im Bereich B-C wechselt sich nun mit Bändern ab, die wir meist für Querungen im leichten A-B Gelände nutzen. Die Aussicht auf Longarone nach Westen und der Einblick in die Schlucht sowie auf Teile der Staumauer im Osten prägen den Aufstieg. Auch die blanken Platten, des Monte Toc, von denen einst die Geröllmassen abrutschten, sind zu erkennen. Wir befinden uns nun in etwa auf der Höhe der im Tunnel verlaufenden Passstraße, von der wir jedoch kaum etwas mitbekommen. Der Steig wird zunehmend flacher, bleibt aber weiterhin interessant.

Die zweite Leiter... Der letzte Abschnitt der Ferrata della Memoria führt uns auf einem breiten Band wieder ein Stück bergab, Richtung Staudamm. Dieser ist von hier zwar nicht mehr sichtbar, dafür wird der Ausblick auf den Monte Toc immer besser. Kurz bevor wir die zweite Leiter erreichen, können wir das Wandbuch links in einer Felsnische entdecken. Nachdem wir uns eingetragen haben, passieren wir die Leiter und steigen die letzte Rampe in leichtem Gelände bis zum Ende des Klettersteiges auf.

Ein Fähnlein für jedes gestorbene KindVorbei an einer Art Torbogen, der vermutlich aus der Bauzeit des Staudamms stammt, setzen wir unsere Tour auf einem Wanderweg noch ein Stück bergauf fort. An einer Wegkreuzung halten wir uns rechts und gelangen bergab auf einem bequemen Wanderweg zu dem Parkplatz der Gedenkstätte. Hier beginnt der bedrückende Teil des Ausflugs. Vorbei an den Fähnchen für die 481 verstorbenen Kinder führt uns der Weg an Gedenktafeln vorbei zu einer kleinen Kapelle. Im Süden türmen sich die abgerutschten und mittlerweile bewaldeten Geröllmassen auf. Das eigentliche Mahnmal ist die Staumauer, welche die riesige Flutwelle nahezu unbeschadet überstanden hat.

Der Blick von der Talseite auf die einst höchste Staumauer der WeltDer Damm selbst darf nur während einer Führung betreten werden. Wir besichtigen die Kapelle und wandern anschließend durch den Tunnel der SR251 zurück Richtung Parkplatz. Die anfänglichen Bedenken wegen des Verkehrs bestätigen sich nicht. Dank der Ampelschaltung, die den Verkehr nur in eine Richtung durchlässt, ist für Fußgänger wie Autos genug Platz, zumal, zumindest an diesem Tag, auch nicht viele Fahrzeuge unterwegs waren. Durch Felsfenster und im Bereich zwischen den Tunneln haben wir immer wieder einen recht schönen Blick auf die Staumauer. Nach dem dritten und längsten Tunnel befindet die Ampel, die den auffahrenden Verkehr regelt. Dort halten wir uns links und erreichen über einen steilen Pfad wenig später den Parkplatz an unserem Ausgangsort.

Einkehrmöglichkeit:
Unterwegs keine. Bei gutem Wetter und etwas Glück findet man am Parkplatz der Gedenkstätte einen Imbisswagen.

  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
620 m - 560 m + 0:15 0:15 Einstieg Klettersteig
620 m - 790 m + 2:00 2:15 Ende Klettersteig
790 m - 720 m + 0:15 2:30 Gedenkstätte Diga del Vajont
720 m - 620 m + 0:30 3:00 Parkplatz 6. Kehre SR251

Autor: Tom Lindner
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