Jotunheimen-Gebirge

Besseggen

Besseggen
Aufstieg 4:30 h Abstieg 2:00 h
3
1100 Höhenmeter
Tourbeschreibung Druckversion
Bilder (102) Gipfelbuch (1)
Karte GPS-Track

Memurubu (1008 m) - Bjørnbøltjønne (1518 m) - Bessvatnet (1373 m) - Besseggen-Grat - Veslfjellet (1743 m) - Gjendesheim (994 m)

Charakter: Anspruchsvolle Bergwanderung, die über holprige Wege und im Abstieg über schottriges Terrain und kurze felsige Steilstufen führt. Der Besseggen-Grat erfordert Kletterei im max. 1. Schwierigkeitsgrad im teilweise ausgesetzten Gelände. Für die Begehung sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gute Kondition notwendig.

Anfahrt: Über die E6 von Oslo Richtung Trondheim fahren, zwischen Kvam und Otta die E6 verlassen und nach links in die Straße Nr. 257 Richtung Heidal einbiegen. Über Heidal der Straße Nr. 257 für 30 Kilometer bis zum Ende folgen und dann links in die Straße Nr. 51 fahren. Der Nr. 51 für 33 Kilometer folgen und dann rechts nach Gjendesheim abbiegen. Nach weiteren 2 Kilometern gelangt man zum Parkplatz der Bootsanlegestelle. Die Parkgebühr von 100 NOK (Stand 2014) ist am Kiosk zu bezahlen. Es empfiehlt sich eine frühe Ankunft, da die Parkplätze in Gjendesheim sehr begehrt sind. Die Überfahrt mit dem Schiff von Gjendesheim zum Ausgangspunkt nach Memurubu kostet 120 NOK (Stand 2014). Alle Infos zur Bootsfahrt und den Fahrplan finden Sie hier.

Geo-Koordinaten des Ausgangspunkts:
61.495628, 8.809254 (in Google Maps öffnen)

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Norwegen - Topographische Wanderkarte Jotunheimen Aust (1:50 000)

Die Überschreitung des Besseggen-Grates gehört neben der Besteigung des Galdhøpiggen zu den beliebtesten Touren im Jotunheimen-Gebirge. Die eindrucksvolle Route führt an der Nordseite des Gjende-Sees von Memurubu über einen langgezogenen Bergrücken nach Gjendesheim. Dabei wird kurz vor dem höchsten Punkt, dem Veslfjellet, der berühmte Sensengrat passiert, über den auch Peer Gynt im bekannten Theaterstück von Henrik Ibsen auf einem Bock geritten sein soll. Dieser Gratabschnitt ist in Wirklichkeit gar nicht so scharf, wie sein Name vermuten lässt. Es gibt nur kurze Engstellen, die für den trittsicheren und schwindelfreien Berggeher keine größeren Probleme bereit halten. Vom Grat hat man dann den berühmten Tiefblick zum leuchtenden Gjende-See und zum dunkelblauen Bessvatnet, die sich aus der Vogelperspektive betrachtet an einer Engstelle beinahe zu berühren scheinen. Der Besseggen-Grat wird in beide Richtungen begangen. Für den Startpunkt Memurubu sprechen gleich mehrere Vorteile: Man geht ohne viel Gegenverkehr mit dem Strom und bewältigt die schwierigsten Passagen im Aufstieg. Zudem hat man meist festen Boden unter den Füßen und spart sich den langgezogenen Geröllhatsch für den Abstieg auf. Das bröslige Terrain am Veslfjellet bereitet in Aufstiegsrichtung wenig Freude. Zu guter Letzt benötigt man auch keine Rückfahrt mit dem Schiff und kann sich unabhängig von Fahrplänen Zeit für seine Tour lassen. So beginnt die Tour über den Besseggen idealerweise mit einer Schifffahrt von Gjendesheim nach Memurubu. Hier sollte man rechtzeitig vor der ersten Abfahrt an der Bootsanlegestelle eintreffen, um einen der begehrten Plätze am Schiff zu ergattern (zum Fahrplan). Ist man gezwungen auf das nächste Schiff zu warten, kann man sich zumindest am Kiosk neben der Anlegestelle mit einem zweiten Frühstück die Zeit verkürzen.

Aufstieg: In Memurubu verlassen wir das Schiff und wenden uns nach links (Wegweiser "Besseggen, Memurubu"). Nun spazieren wir auf die markante Pyramide des Sjugurtinden und passieren die Memurubu Turisthytte. Nach der Hütte vollzieht der Weg eine Rechtskurve und wir gelangen zu einer Verzweigung. Wir biegen links und bei der nächsten Gelegenheit sofort wieder nach rechts ab (Wegweiser "Besseggen"). Ein nun etwas schmälerer Weg leitet uns in nördlicher Richtung durch lichtes Buschwerk in moderater Steigung bergauf. Nach kurzer Zeit nimmt die Steigung deutlich zu und der Weg schlängelt sich nordwärts den steilen Hang hinauf. Die Büsche ziehen sich mehr und mehr zurück und wir genießen die ersten Blicke hinunter nach Memurubu und auf den Gjende.

Je höher wir kommen, desto steiniger wird unser Weg. Nach einer Gehzeit von einer knappen Stunde lehnt sich das Gelände langsam zurück. Der nun moderat steile Weg leitet uns in nordöstlicher Richtung zu einem Bergrücken hinauf. Am Rücken angelangt erreichen wir den Abzweig nach Glitterheim, den wir links liegen lassen. Wir folgen nun dem Rücken entlang der roten T-Markierungen weiter ostwärts und erblicken schon bald darauf vor uns den markanten und freistehenden Klotz des Besshøe (2258 m). Linker Hand schauen wir hinüber zum vergletscherten Surtningssue, der mit seinen 2368 Metern den siebthöchsten Punkt in Norwegen markiert. Über den breiten Rücken wandern wir weiter ostwärts auf eine sanfte Anhöhe (1429 m) zu.

Sobald wir die Kuppe überwunden haben, sehen wir vor uns einen kleinen See. Nun halten wir auf den See zu, verlieren einige Höhenmeter und spazieren in eine Senke hinunter. In der Senke passieren wir den See an seiner rechten (südlichen) Seite. Sobald wir den See hinter uns gelassen haben, wandern wir zu einer weiteren Anhöhe hinauf. Nach dem Gegenanstieg erblicken wir den kleinen See Bjørnbøltjønne (1518 m), der links von uns in einer Mulde liegt. Rechter Hand bricht das Gelände steil zum Gjende hin ab. Wir folgen dem nun schmäleren aber immer noch recht breiten Rücken am Bjørnbøltjønne vorbei. Nach dem kleinen See nimmt die Steigung wieder zu und wir steigen über steiniges Gelände und zum Schluss hin steil zu einem Gratausläufer des Besshøe hinauf.

Sobald wir den höchsten Punkt des felsigen Ausläufers erreicht haben, erblicken wir vor uns den berühmten Sensengrat, der linker Hand vom dunkelblau schimmernden Bessvatnet und auf seiner rechten Seite vom hellblau leuchtenden Gjende eingerahmt wird. Nun verlieren wir wieder einige Höhenmeter und wandern auf den südlichen Ausläufer des Bessvatnet zu. Kurz vor dem See erreichen wir eine Senke, steigen hinterhalb in einem Gegenanstieg zu einem Buckel hinauf und im Anschluss steil zum Ufer des Bessvatnet hinunter. Wir passieren das dunkelblaue Gewässer und erreichen in einem sanften Gegenanstieg den Einstieg zum Besseggen-Grat. Wir folgen dem felsigen und breiten Gratverlauf langsam bergauf und bewegen uns zu Beginn im reinen Gehgelände.

Nach einer knappen Viertelstunde treffen wir auf einen Grataufschwung. Nun wartet der Besseggen mit einem deutlich schmäleren, steileren und teilweise luftigen Abschnitt auf. In der Folgezeit müssen des Öfteren die Hände benutzen und kraxeln im festen Fels aufwärts. An zwei Engstellen kann es durch Gegenverkehr durchaus zu kleineren Staus kommen. Nach einer weiteren knappen Viertelstunde lassen wir den Sensengrat hinter uns und wir erreichen den breiten und schottrigen Bergrücken des Veslfjellet. Vom höchsten Punkt sind wir allerdings noch etwa 25 Minuten entfernt. Wir folgen dem Rücken zuerst leicht bergauf und dann in eine Einsattelung hinab. In einem kurzen und steileren Gegenanstieg erreichen wir die weite Gipfelfläche, über die wir in moderater Steigung zum riesigen Gipfelsteinmann wandern.

Abstieg: Wir überschreiten den Gipfel des Veslfjellet und folgen der schottrigen Hochfläche weiter ostwärts. Ohne größeren Höhenverlust wandern wir in eine Senke hinab und hinterhalb in einem Gegenanstieg zu einer Anhöhe empor. Nach der Anhöhe passieren wir den beschilderten Abzweig Richtung Bessheim, den wir links liegen lassen. Wir gehen immer geradeaus und folgen dem Wegweiser nach Gjendesheim. Kurz darauf bringt uns der Weg nah an eine Abbruchkante heran, von der wir einen Blick hinunter nach Gjendesheim werfen können. Danach folgt ein weiterer langgezogener Geröllhatsch über das Hochplateau des Veslfjellet, der uns nur langsam an Höhe verlieren lässt.

Schließlich wendet sich der steinige Pfad nach Süden und leitet uns in vielen Kehren zügig bergab. Über eine plattige Steilstufe hilft eine Eisenkette hinweg. Nach der Felsstufe wandern wir in vielen Serpentinen zu einem Holzzaun hinunter. Vor dem Zaun stehend wenden wir uns nach links (Wegweiser "Gjendesheim") und spazieren in einem Rechtsbogen um einen grasigen Hügel herum. Sobald wir den Buckel hinter uns gelassen haben, treffen wir auf eine beschilderte Mehrfachkreuzung. Nun biegen wir rechts ab (Wegweiser "Gjendesheim") und folgen dem Pfad in südlicher Richtung innerhalb von einer knappen halben Stunde hinunter zu unserem Ausgangspunkt in Gjendesheim.

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten:
  • Gjendesheim (994 m), Tel. +47 61 23 89 10, Herberge des DNT mit 100 Betten in 2- und 4-Bettzimmern und 70 Lagerplätzen. Geöffnet von Mitte Juni bis Anfang Oktober.
  • Memurubu Turisthytte (1008 m), Tel. +47 61 23 89 99, private Herberge mit 150 Betten in 2- und 4-Bettzimmern. Geöffnet von Mitte Juni bis Mitte September.

  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
Aufstieg 1008 m - 1518 m + 2:00 2:00 Bjørnbøltjønne
Abstieg 1518 m - 1373 m + 1:00 3:00 Bessvatnet
Aufstieg 1373 m - 1743 m + 1:30 4:30 Veslfjellet
Abstieg 1743 m - 994 m + 2:00 6:30 Gjendesheim

Autor: Didi Hackl
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