Berchtesgadener Alpen

Watzmann (2713 m)

Watzmann
Aufstieg 8:00 h Abstieg 5:45 h
5
2100 Höhenmeter
Tourbeschreibung Druckversion
Bilder (84) Gipfelbuch (9)
Karte

Wimbachbrücke (634 m) - Watzmannhaus (1930 m) - Hocheck (2651 m) - Watzmann-Mittelspitze (2713 m) - Watzmann-Südspitze (2712 m) - Wimbachgrieshütte (1327 m) - Wimbachbrücke (634 m)

Charakter: Sehr lange, anstrengende und anspruchsvolle Bergtour. Steiler Anstieg auf das Hocheck mit kurzen leichten und gesicherten Kletterstellen. Am Watzmanngrat gesicherte mittelschwere Klettersteigpassagen (B), leichte ungesicherte, ausgesetzte Kletterstellen (I) und exponiertes Gehgelände. Der Abstieg von der Südspitze ins Wimbachgries sehr steil, anstrengend und steinschlaggefährdet. Absolute Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und gute Kondition notwendig. Bei Gewitter, Nebel, Nässe oder Vereisung gefährlich.

Besondere Ausrüstung: Steinschlaghelm, Klettersteigausrüstung

Anfahrt: Autobahn München - Salzburg, Ausfahrt Bad Reichenhall, weiter Richtung Berchtesgaden, vor Berchtesgaden über die Umgehungsstraße Richtung Ramsau fahren, über Engedey bis zum Wanderparkplatz bei der Wimbachbrücke (Parkgebühr 2,50 Euro pro Tag).

Mit Bus & Bahn: Mit der Bahn von Freilassing (Bahnlinie München - Salzburg) nach Berchtesgaden. Vom Hauptbahnhof mit der Bus-Linie 846 zur Haltestelle Wimbachbrücke, Ramsau bei Berchtesgaden (Fahrplan und Buchung). Die Haltestelle liegt direkt am Ausgangspunkt. Mit dem Bayern-Ticket fahren bis zu 5 Personen für 23 Euro + 5 Euro je Mitfahrer nach Ramsau.

Karte: Kompasskarte 14 - Berchtesgadener Land, Chiemgauer Alpen (1:50 000)

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Die Watzmann-Überschreitung zählt wohl zu den Königsdisziplinen in den Alpen schlechthin. Der Watzmanngrat wartet zwar nur mit technischen Schwierigkeiten im leichten bis mittelschwierigen Bereich auf. Die Exponiertheit der ungesicherten Klettereien, ausgesetztes Gehgelände, die Länge der Tour und der schier endlose und beschwerliche Abstieg von der Südspitze ins Wimbachgries machen aus der Bergtour eine anspruchsvolle Unternehmung. Bei Gewitterneigung ist der Grat aufgrund fehlender Fluchtmöglichkeiten absolut zu meiden.

Hüttenzustieg: Wir verlassen den Parkplatz an der Wimbachgrieshütte und folgen dem Wegweiser Richtung Watzmannhaus. Über einen breiten und steilen Forstweg gewinnen wir schnell die ersten Höhenmeter. Der Weg schlängelt sich zumeist durch Bergwald, bevor wir die Mitterkaseralm und erstmals offenes Gelände erreichen. Von hier haben wir erstmals einen schönen Ausblick auf die umliegende Bergwelt. Kurz nach der Alm geht es wieder in den Wald hinein. Wir erreichen die Talstation der Materialseilbahn, die zum Watzmannhaus führt. Ab hier wird der breite Fahrweg von einem Steig abgelöst. Steil geht es nun bergauf und wir erkennen schon bald das Watzmannhaus, welches wir nach 3 1/4 Stunden Gehzeit erreichen.

Zum Hocheck: An der Hütte wandern wir zurück zum Abzweig, der uns Richtung Hocheck bringt. Die Umgebung wird schnell karger und schon bald befinden wir uns in felsigem Gelände. In Serpentinen schlängelt sich der Pfad nun den steilen Hang des Hockecks empor. Wir erreichen eine erste leichte Kletterstelle, welche mit einem Drahtseil gesichert ist. Über Schrofen geht es nun zügig weiter bergauf, bevor sich das Gelände wieder etwas zurücklehnt. Bald erkennen wir auch den vermeintlichen Gipfel. Beim Aufstieg begleitet uns ein herrlicher Tiefblick zurück auf das Watzmannhaus und das darunterliegende Tal. Nach zwei Stunden Gehzeit stehen wir am Hocheck und blicken erstmals zur schroffen Mittelspitze. Das Biwak, welches sich direkt am Gipfel befindet, wurde 2007 komplett erneuert.

Zur Mittelspitze: Über eine kurze Holzbrücke steigen wir vom Hocheck auf den Watzmanngrat hinüber. Wir bewegen uns nun direkt auf dem ausgetzten Grat, diese Passage ist mit Drahtseilen entschärft (A/B). Wir wechseln auf die rechte Seite des Grates und steigen teilweise drahtseilversichert (A) einige Meter bergab. Die Sicherungen werden spärlich, teilweise luftig geht es nun in Richtung Mittelspitze. Über eine breite und steile Rampe (gesichert, A) geht es bergan. Hinterhalb der Rampe steigen wir kurz bergab, bevor wir über eine finale Kletterstelle (B) nach einer Dreiviertelstunde die Mittelspitze erreichen. Der Platz rund um das Gipfelkreuz ist knapp bemessen, Rastmöglichkeiten sind kaum vorhanden. Erstmals rückt die Südspitze ins Blickfeld.

Zur Südspitze: Wir verlassen die Mittelspitze, steigen einige Meter bergab und erreichen eine Rinne (B), die wir abklettern. Nach dieser zünftigen Klettereinlage geht es über weitere Drahtseilpassagen (zuerst A/B, anschließend B) bergab. Nach einem kurzen Stück Gehgelände setzt sich der Abwärtstrend dirket am Grat fort (B, luftig). Faszinierend sind dabei die ersten Nah- und Tiefblicke auf die gewaltige Ostwand. Nocheinmal verlieren wir über eine fast senkrechte Passage (B) an Höhe, bevor das Gelände langsam wieder etwas flacher wird. In einem Gegenanstieg steigen wir auf einem Band an der Westseite des Grates einige Meter bergan, bevor wir anschließend die zurückgewonnenen Höhenmeter wieder abgeben.

Direkt am Grat geht es nun drahtseilversichert (A) wieder bergauf, bevor wir abermals noch ein letztes Mal nach unten steigen müssen. Auf der Westseite wandern wir nun im Gehgelände wieder nach oben. Wir erreichen den Grat und wandern diesen ein Stück entlang (nicht gesichert, sehr luftig) und wechseln auf die Ostseite des Grates (ebenfalls nicht gesichert, ausgesetzt). Am Gipfelaufbau angelangt bewältigen wir kletternd (Drahtseilversicherungen, B) ein steiles Gratstück und wechseln abermals auf die Westseite. Über Gehgelände kommen wir zu einer weiteren Kletterstelle. Im Anschluss folgt eine kurze luftige Querung und eine finale Drahtseilpassage (A/B), über die wir nach einem letzten kurzen Gehstück zum Gipfelkreuz gelangen.

Im Gegensatz zur Mittelspitze bietet die Südspitze richtig viel Platz zum rasten, schauen und verweilen. Im Süden blicken wir vom Hochkönig über das Steinerne Meer bis zum Großen Hundstod. Ringsum reihen sich die Berchtesgadener Alpen wie der Untersberg, der Hohe Göll und der Hochkalter auf. Die Fernblicke reichen bis zu den vergletscherten Gipfeln der Hohen Tauern. Um sich an diesem Panorama satt zu sehen sollte man etwas Zeit mitbringen.

Abstieg: Von der Südspitze steigen wir zuerst über Schrofen teilweise gehend, teilweise kletternd bergab. Das Gelände gönnt einem keine Verschnaufpause, es geht sehr steil nach unten. Wir erreichen eine flachere Schuttpassage. An deren Ende geht es weiter über Schrofen (Stellen I) bergab. Nach kanpp zwei Stunden erreichen wir ein weiteres flacheres und grasbewachsenes Gelände. Dahinter folgt der finale Abstieg ins Wimbachgries. Die steilsten und rutschigsten Abschitte sind hier mit Ketten gesichert. Drei Stunden nach dem Verlassen der Südspitze erreichen wir das Wimbachgries. Hier wenden wir uns nach rechts. Von der Wimbachgrieshütte trennt uns nun noch eine knappe Dreiviertelstunde.

Der Rückweg von der Wimbachgrieshütte zur Wimbachbrücke zieht sich nocheinmal. In zwei Stunden wandern wir von der Hütte durch das Wimbachgries zwischen den Massiven des Hochkalters und des Watzmanns zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten:
  • Watzmannhaus (1930 m), DAV Sektion München, Tel.: +49 (0)8652/964222, geöffnet von Mitte Mai bis Mitte Oktober.
  • Wimbachgrieshütte (1327 m), NaturFreunde Deutschland, Tel.: +49 (0)8657/344, geöffnet von Anfang Mai bis Ende Oktober.

  Höhe Gehzeit Gesamt Ziel
634 m - 1930 m + 3:15 3:15 Watzmannhaus
1930 m - 2651 m + 2:00 5:15 Hocheck
2651 m - 2713 m + 0:45 6:00 Mittelspitze
2713 m - 2712 m + 2:00 8:00 Südspitze
2712 m - 1327 m + 3:45 11:45 Wimbachgrieshütte
1327 m - 634 m + 2:00 13:45 Wimbachbrücke

Autor: Didi Hackl
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